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Das Konjunkturstärkungsgesetz 2020 bringt für Unternehmen Investitionsanreize und die Möglichkeit eines Verlustrücktags. Die medial angepriesene Tarifentlastung ist eher dürftig.

Auf die Corona-Krise reagierte der Steuergesetzgeber bisher mit elf Gesetzen und mehreren Verordnungen. Das jüngst mit 24. Juli 2020 veröffentlichte Konjunkturstärkungsgesetz bringt für die Investitions- und Steuergestaltung interessante Aspekte:

Jahresabschreibung re-loaded

Die Kosten von Investitionen über € 800 können nicht im Jahr der Verausgabung zur Gänze als steuerliche Ausgabe verwertet werden, sondern nur in Form einer Abschreibung über deren Nutzungsdauer verteilt. Bisher war im Regelfall nur eine lineare Abschreibung mit einer gleich bleibenden Abschreibungsquote steuerlich zulässig. Die Zulässigkeit einer „degressiven“ Abschreibung, die zu Beginn sehr hoch ist und dann jährlich um einen fixen Prozentsatz sinkt, wird von der Fachliteratur seit Jahrzehnten gefordert und ist nun endlich für Investitionen ab 1. Juli 2020 Realität geworden. Dies ermöglicht eine bis zu 30%ige Abschreibung im ersten Jahr und damit eine beschleunigte steuerliche Geltendmachung der Investitionskosten.

Ausgenommen hiervon sind gebrauchte Wirtschaftsgüter, Anlagen die fossilen Energieträgern nutzen/dienen (Öltanks, Flugzeuge, etc.) und unkörperliche Wirtschaftsgüter die nicht den Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung und Gesundheit/Life-Science zuzuordnen sind.

Ebenfalls ausgenommen sind Wirtschaftsgüter mit gesetzlich fixierter Abschreibung, wie Kraftfahrzeuge (außer Elektrofahrzeuge), Gebäude und Firmenwert. Diese dürfen jedoch im ersten Jahr mit dem dreifachen und im zweiten Jahr mit dem zweifachen Abschreibungsbetrag abgeschrieben werden, was ebenso eine beschleunigte steuerliche Geltendmachung der Investitionskosten bewirkt.

COVID 19 Investitionsprämie – leider sehr bürokratisch

Für Investitionen mit Kosten von mehr als € 5.000 kann eine Investitionsprämie von 7 % beantragt werden.

Förderfähig sind:

  • Investitionsmaßnahmen (z.B. Bestellungen, Kaufverträge), die nach dem 01.08.2020 und bis 28.02.2021 gesetzt werden und zwar in:
  • abnutzbare Wirtschaftsgüter: GWG (bis € 800), die nicht sofort abgeschrieben werden (und anders als beim investitionsbedingten GFB:)
  • auch gebrauchte
  • auch immaterielle z.B. Software und
  • auch bestimmte Elektrofahrzeuge.

Bei Investitionen in den Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung und Gesundheit/Life-Science beträgt die Investitionsprämie sogar 14 %.

Nicht förderfähig sind jedoch:

  • klimaschädliche Investitionen (wie etwa Öltanks, Flugzeuge, KFZ mit Ausnahme bestimmter Elektrofahrzeuge)
  • Finanzanlagen
  • Unternehmensübernahmen und
  • aktivierte Eigenleistungen.

Die Investitionsprämie ist war nicht steuerpflichtig, mindert aber die Anschaffungskosten und somit die künftigen Abschreibungen.

Beantragung: Ab 01.09.2020 bis 28.02.2021 kann ein schriftlicher Antrag beim Austria Wirtschaftsservice eingereicht werden. Der Antrag ist ziemlich umfangreich und umfasst eine genaue Darstellung des Investitionsprojekts und bedingt eine Prüfung der Auflagen und Bedingungen und Freigabe durch das AWS (3 Jahre Behaltefrist, Einsichtsrecht in die Bücher/Belege durch AWS, Aufbewahrung 10 Jahre ab Auszahlung, genaue Kostenabrechnung). Eine Aufgabe, die von den MMG-Beratern selbstverständlich gerne übernommen wird.

Verlustrücktrag und Einkünfteverteilung – eine faire Lösung

Entsteht ein steuerlicher Verlust in der Steuererklärung 2020, so kann dieser wie bisher zur Verrechnung in Folgejahre vorgetragen werden. Auf Antrag kann jedoch ein Verlust von bis zu € -5 Mio auch rückwirkend im Rahmen der Veranlagung 2019 bzw. 2018 berücksichtigt werden. Die bewirkt eine Steuergutschrift beim Finanzamt und setzt dringend benötigte Liquidität frei.

Senkung des Einkommenssteuertarifes – mehr Schein als Sein

Wie medial intensiv berichtet, wurde der Eingangssteuersatz der Einkommensteuer für Einkommensteile von € 11.001 bis € 18.000 rückwirkend ab 01.01.2020 von bisher 25 % auf nunmehr 20 % gesenkt. Der Steuersatz für die darüber liegenden Einkommensteile bleibt jedoch unverändert bzw. wird der Spitzensteuersatz ab € 1 Mio bis 2025 beibehalten, was im Ergebnis eine Steuerersparnis von mageren € 350 p.a. bewirkt. Ferner werden bei niedrigen Einkommen Zuschläge zum Verkehrsabsetzbetrag bzw. bei Einkommen unter null der  SV-Bonus um € 100 erhöht. Im Fall von Dienstnehmern macht dies eine rückwirkende Korrektur deren Gehaltsabrechnungen ab Jänner notwendig („Aufrollung“) – eine Arbeit die das MMG-Lohnbüro automatisch erledigen wird.

Kinderbonus für Familien – es geht auch unbürokratisch!

Die Covid-19-Krise bedeutet auch für Familien mit Kindern eine außergewöhnlich schwierige Phase. Deshalb soll im September 2020 automatisch ohne gesonderten Antrag eine Einmalzahlung in Höhe von 360 für jedes Kind zusätzlich zur Familienbeihilfe und zum 100 Euro Schulstartgeld ausgezahlt werden.

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